Ein Blick in die Geschichte: 37 Jahre Tradition verpflichten.

Von 2003 bis 2021 war Peter Rall Gesellschafter und bis 2019 Geschäftsführer von Kohl PR & Partner – heute SEC Newgate Deutschland. Vor seiner Zeit bei Kohl PR & Partner war Peter Rall 25 Jahre lang Journalist, unter anderem beim stern und Chefredakteur des deutschen Dienstes bei Reuters. Als solcher berichtete er aus dem politischen Bonn; über den Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt, den Fall der Berliner Mauer, die Kanzlerjahre von Helmut Kohl. Später wechselte er auf die andere Seite des Schreibtischs – in die PR – und prägte maßgeblich die Arbeit unserer Agentur: Als eine Unternehmensberatung mit hoher Textkompetenz und einem feinen Gespür für politische Zusammenhänge. Zeit für ein Gespräch.

Du bist damals vom Journalismus in die PR gewechselt. Was hat sich dabei für dich verändert? Was war reizvoll an der PR?

Der Wechsel war nicht so schwer. Ich war vorher Chefredakteur des deutschen Dienstes der Nachrichtenagentur Reuters. Eine unserer wichtigsten Aufgaben war es, Nachrichten so aufzubereiten, dass die Relevanz für die Zielgruppe deutlich wurde. Das gilt übrigens für Print genauso wie für digitale Kommunikation. Dieses strikte Zielgruppendenken hat meine gesamte Tätigkeit in der PR geprägt. Die Besonderheit bestand in der PR darin, diesen journalistischen Anspruch mit dem Kommunikationsziel der Kunden in Einklang zu bringen. Kurz gesagt: Die Kundenmessage journalistisch interessant zu präsentieren.

Was hat Kohl PR ausgezeichnet?

Wir waren immer stark in der Vermittlung und Formulierung von komplexen Inhalten. Unsere Texte waren besser als die der Konkurrenz, was uns alle Auftraggeber bescheinigten. Unsere Konzepte waren nie ein Blumenstrauß an Maßnahmen, sondern immer auf der Grundlage sorgfältiger Recherchen faktenbasiert sowie dem Kommunikationsziel und den Zielgruppen untergeordnet. Dieses Herangehen half uns bzw. unseren Kunden auch in der Krisenkommunikation und im Lobbying. Wichtig war uns immer, mit unseren Auftraggebern langfristig zusammenzuarbeiten. Das ist uns gelungen. Wir hatten zahlreiche Klienten, die wir 10 Jahre und mehr betreuten.

Wie war damals die Atmosphäre bei Kohl PR? Damals saß die Agentur noch in Bonn. Was hat sich schließlich mit dem Umzug nach Berlin verändert?

Bonn war klein, persönlich, manchmal eng. Das wirkte sich auf die Arbeit der Agentur aus. Da ging es familiärer zu als später in Berlin. Kohl PR gehörte zu den ersten Agenturen, die sich der politischen Kommunikation bzw. der Kommunikation gesellschaftspolitisch relevanter Themen verschrieben hatten. Das war das Verdienst der leider viel zu früh verstorbenen Agenturgründerin Elisabeth Kohl. Diese Kommunikation in den politischen Raum hinein war in Bonn viel leichter als in Berlin. Jeder kannte jeden und die Schnittstellen zwischen PR, Journalismus und Politik fanden jeden Mittag und Abend in den zahlreichen Restaurants und Kneipen rund um das kleine Regierungsviertel statt. Das hat sich in Berlin allein schon durch die Größe der Stadt geändert. Hinzu kam, dass zeitgleich mit dem Umzug nach Berlin die Entwicklung der digitalen Kommunikation voranschritt. Das stellte die PR vor völlig neue Aufgaben.

Wie war die Zusammenarbeit mit Elisabeth Kohl? Sie soll ja gute Partys geschmissen haben und eine ausgezeichnete Netzwerkerin gewesen sein. Irgendwelche Anekdoten?

Wir zogen in der PR an einem Strang und hatten das gleiche Verständnis von Kommunikation und Texten. Ihr Anspruch an Texte war sehr hoch, was ihre Mitarbeiter oft zur Verzweiflung brachte. Zugleich führte sie die Agentur wie eine Familie. Elisabeth konnte wunderbar Menschen zusammenführen, was sie als Präsidentin der GPRA unter Beweis stellte. Auch in Bonn war sie eine erfolgreiche Netzwerkerin. Auf ihren Sommerfesten im Garten ihres Hauses trafen sich Journalisten, Politiker und PR-Leute. Hier wurden bei einem oder mehreren Gläsern Riesling vom Staffelter Hof an der Mosel, den ihr Schwager führte, Kontakte geknüpft und gefestigt. Elisabeth stammte von der Mosel und blieb ihrer Heimat immer verbunden. Diese Erdverbundenheit war eines ihrer Markenzeichen – auch in der PR.

Wie sah damals das PR Handwerk aus und wie hat es sich im Verlauf der letzten 15-20 Jahre verändert? Wie beurteilst du die Entwicklung der PR?

Mein Eindruck ist, dass PR und Werbung zunehmend verschmelzen werden. Grund sind die unverzichtbaren digitalen Plattformen, bei denen Optik, Überschriften und Claims eine noch viel wichtigere Rolle spielen als in der PR der vor-digitalen Zeit. Diese Entwicklung wird niemand stoppen. Die Kunst wird allerdings sein, dass die Inhalte dabei nicht zu kurz kommen. Ich finde, dass diese etwas altbackene Unterscheidung „Marketing is to sell, PR is to tell.“ weiter gültig ist. Sie muss sich eben den neuen Kanälen und Kommunikationsgewohnheiten anpassen.

Was hat der Beitritt zur SEC Newgate Gruppe für Kohl PR bedeutet?

Das war für mich persönlich äußerst spannend. Ich hatte zuvor bei Reuters zunächst als politischer Korrespondent und später dann in der Chefredaktion mehr als 25 Jahre lang mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt zu tun. Diese internationale Zusammenarbeit hat mir immer riesigen Spaß gemacht und ich habe sehr von ihr profitiert. Die SEC Gruppe bietet dieselbe Chance. Der Austausch bei den Managementmeetings, an denen ich teilnahm, war nicht nur fachlich spannend, sondern auch persönlich ein Gewinn. Die Idee des SEC CEO Fiorenzo Tagliabue, eine Agentur aufzubauen, die auf der Kompetenz und der Entrepreneurship weitgehend selbstständig arbeitender nationaler Agenturen beruhte, fand ich zudem als Gegenentwurf zu den großen internationalen Netzwerkagenturen überzeugend.

Was bedeutet Kommunikation für dich?

Mein Credo in der PR und im Journalismus war immer: Nur wer genau hinhört, hinschaut und recherchiert, kann spannend und detailliert berichten oder kommunizieren. Nur wer leicht verständlich und auf den Punkt formuliert, wird verstanden. Nur wer seine Informationen attraktiv verpackt und ihren Nutzen bzw. ihre Bedeutung deutlich macht, erreicht das Gegenüber. Nur wer fair und vertrauenswürdig kommuniziert, wird akzeptiert.

Last but not least: Gibt es eine PR-Leistung, auf die du besonders stolz bist?

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, auf die ich in der PR stolz bin. Ich möchte drei Beispiele nennen.

Zum einen, dass wir einen großen Verband aus dem schwierigen Umfeld der Ernährungsbranche 17 Jahre lang beraten durften und nach sechs Jahren Zusammenarbeit im Pitch mit einem zielgruppenorientierten Konzept überzeugen konnten, dass auch Jahre danach noch inhaltlich funktionierte, auch wenn die Kanäle sich veränderten.

Dass es uns gelang, für schwierige und kritische Themen in der Politik Gehör zu finden und diesen Kunden im politischen Raum ein Netzwerk zu schaffen.

Und zum Schluss konkret: Dass wir der Krankheit Zöliakie so viel Aufmerksamkeit verschafften, dass Journalisten sie schließlich kannten, von der Thematik überzeugt waren und ihre Berichterstattung dazu beitrug, das Bewusstsein der Öffentlichkeit und auch der Ärzte dafür zu schärfen.